Pallasstr. 13, 10781 Berlin Tel + Fax 030-216 33 21
19. April 1997
Das Dorf Horno - Opfer verfehlter Energie- u. Klimapolitik ?
Abgeordnete des Landtages Brandenburg,
die mitzeichnenden Ministerien,
Anzuhörende und
Presse, Funk und Fernsehen
Sie werden als Landtagsabgeordnete«r» eine zukunftsträchtige Entscheidung tragen.
Die Bundesregierung hat eine CO2-Emissionminderung von
25-30% bis zum Jahr 2005 zum Ziel.
Die Vergrößerung der Wüsten und die Anzahl der Orkane nimmt
drastisch zu, Gletscher und Pole schmelzen.
Die Bundesregierung hat offiziell anerkannt, das die heute registrierten
Klimaveränderungen durch vom Menschen verursachte CO2Emissionen
hervorgerufen werden. Die pro-Kopf-Emmissionen Brandenburgs liegen 50
% über dem Bundesdurchschnitt. Brandenburg zählt damit zur
globalen Spitzengruppe der Klimaschädiger. Einer Studie dess
Potsdam-Institut für Klimaforschung stellt einen emissionsbedingten
Trend zur Versteppung Brandenburgs fest.
Braunkohle ist der fossile Energieträger der die höchsten CO2-Emissionen pro Nutzenergieeinheit verursacht. Sie wird hauptsächlich zur Elektroenergiegewinnung eingesetzt.
Die heimischen Energien: Wind, Sonne und Energiepflanzen bieten auch "einen Beitrag zur zuverlässigen, langfristigen Energieversorgung die nicht vollständig den wirtschaftlichen und politischen Imponderabilien der internationalen Märkte abhängig ist" [Landtag Brandenburg Drucksache 2/1946] und werden bei den Argumenten zu den Gesetzestextvorlagen nicht berücksichtigt.
Die Fäden laufen auch an anderer Stelle zusammen: Die RWE Energie AG Deutschlands größter Braunkohleverstromer hält mit weiteren Elektrizitätsversorgungsunternehmen über die Braunkohlebeteiligungsgesellschaft 55% der LAUBAG-Aktien. Ein Scheitern der Vertreibung der Bürger von Horno würde die von RWE-Tochter Rheinbraun AG erhofften "Umsiedlungsmaßnahmen" der Orte Otzenrath, Spenrath und Holz für den Tagebau Garzweiler II gefährden.
95/96 baute Rheinbraun mit 12 989 Mitarbeitern 100,8 Mio t Braunkohle ab
während
die LAUBAG mit 10 324 Mitarbeitern 53,4 Mio t förderte
[Geschäftsberichte RWE, Rheinbraun].
D.h. unter Verhältnissen entsprechend Rheinbraun wären bei der
LAUBAG nur 6 881 Mitarbeiter beschäftigt. Weiter werden im
Rheinbraun-Geschäftsbericht zudem die Fördermengen der LAUBAG als
rückläufig eingeschätzt.
Bei Rheinbraun wird wirtschaftlicher Betrieb beim Verhältnis Kohle zu Abraum von 1 zu 5,5 erzielt. Unter Horno wäre Kohle zu Abraum 1 zu 10 bis 1 zu 13 d.h. Kohleabbau mit doppelt soviel Abraum wird als konkurrenzfähig dargestellt.
Aus diesen Zahlen läßt sich schon erkennen, daß Horno unternehmenspolitischen Zielen zum Opfer fallen soll. Der Abbau der Arbeitsplätze bei der LAUBAG wird drastischer weitergehen als bisher vorgegeben. Die Förderung der wenigen Kohle unter Horno dient vornehmlich dem Zweck, mit dem mächtigen darüberliegenden Abraum kostengünstig benachbarte Tagebauschäden aufzufüllen, weil andere Rekultivierungsmaßnahmen teurer sind.
Abraum ist kein Bodenschatz, dessen Nutzung im Interesse der Allgemeinheit steht. Die Anwendung des Bundesberggesetzes wegen dieses wirtschaftlich äußerst fragwürdig nutzbaren Flözes geht in Richtung eines Rechtsmißbrauches
Mit Argumenten des Arbeitsplätzerhaltes deren Anzahl zudem ständig sinkt, soll hier die Zerstörung eines 650 Jahre alten Ortes, die Vertreibung seiner 350 Bewohner und eine Landschaftszerstörung gerechtfertigt werden. Keiner dieser Arbeitsplätze wird noch für die Kinder und Enkel zur Verfügung stehen, da sie auf energiepolitischen Fehlentscheidungen basieren. Kulturgeschichte und Lebensplätze in Horno stellen ein höheres und schützenswerteres Gut dar, als die mittelfristig auslaufenden klimaschädigenden Arbeitsplätze.
Richtig wäre es Produktionsstätten mit Zukunktstechnologien anzusiedeln, die schon jährlich zweistellige Wachstumsraten verzeichnen und zunehmend Exportmärkte bedienen. Hierzu gehören die Produktion von Windkraft- und solarthermischen Anlagen, Photovoltaik und das gesamte technologische Umfeld zu nachwachsenden Rohstoffen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr.-Ing. Gotthard Schulte-Tigges Dipl.-Ing. Astrid Schneider
Geschäftsstelle Osnabrück Natruper Straße 70 49090 Osnabrück Tel (0541) 961 91 85 Fax (0541) 961 91 86 email iwb_bwe@t-online.de
Geschäftsstelle Hannover Lutherstraße 14 30171 Hannover Tel (0511) 28 23 63 Fax (0511) 28 23 77
Am Michaelshof 8-10 53177 Bonn
An
Mitglieder des Brandenburger Landtages
Bonn 14. Juni 1997
Braunkohleabbau vernichtet Arbeitsplätze - Windenergie schafft Arbeitsplätze
Wir wenden uns mit der Bitte an Sie, den weiteren Abbau von Braunkohle und die Zerstörung des Dorfes Horno nicht zu unterstützen.
Die Verbrennung von Braunkohle ist nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes abzulehnen. Auch die immer wieder in Aussicht gestellten positiven Effekte auf dem Arbeitsmarkt werden nicht eintreten. Durch steigende Automatisierung beim Abbau und der Verstromung von Braunkohle werden immer mehr Beschäftigte freigesetzt. Das Maß der Rationalisierung im Braunkohleabbau hat auch im rheinischen Revier in den letzten Jahren zu einem stetigen Abbau von Arbeitsplätzen geführt, jedoch nicht zur Schaffung von neuen Beschäftigungsmöglichkeiten.
In der Windindustrie sind dagegen seit Ende der 80er Jahre 10.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Und dies bei einem Anteil der Windenergie von nur 0,5 Prozent am Stromverbrauch. Bei einem Anteil von 10 Prozent könnten also selbst bei Verdoppelung der Produktivität 100.000 industrielle Arbeitsplätze geschaffen werden. Dazu kommen weitere für Wartung, Reparatur und Betrieb der Anlagen. Bei dieser Betrachtung sind die großen Exportchancen für Windkraftanlagen noch gar nicht berücksichtigt. Bereits 1996 war Indien nach den USA und Deutschland das Land mit der größten installierten Windenergiekapazität.
Der Ausbau der Windenergie in den kommenden Jahren wird aber volkswirtschaftlich unökonomisch, wenn gegen bestehende Grundlastkraftwerke konkurriert werden muß. Jeder neue Braunkohletagebau heute verhindert so die stärkere Nutzung der sauberen erneuerbaren Energien in der Zukunft.
Bitte stimmen Sie deswegen dem Abbau der Braunkohle unter Horno nicht zu.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Peter Ahmels
- Vorsitzender -
i.A. Ralf Bischof
Fördergesellschaft Erneuerbare Energien e.V.
Köpeniker Str. 325
D-12555 Berlin
Tel 030-65 76 27 06, Fax 65 76 23 32
15. 5. 97
An die Mitglieder des Landtages Brandenburgs
Sehr geehrte Damen und Herrn!
Sie stehen in den nächsten Wochen vor einer schwerwiegenden Entscheidung, der Zustim-mung oder Ablehnung zum "Horno-Gesetz"entwurf.
Die Fördergesellschaft Erneuerbare Energien e. V. als ein Zusammenschluß innovativer kleiner und mittlerer Unternehmen und wissenschaftlicher Einrichtungen sowie von Persön-lichkeiten, die sich für die Minderung des Energiegebrauchs und die Verbreitung der Nut-zung erneuerbarer Energiequellen einsetzen, bittet Sie bei Ihrer Entscheidung zu bedenken:
- Die Deutsche Physikalische Gesellschaft, in der die Spitzenphysiker der Bundesrepublik vereint sind, hat in einem eindringlichen Appell unmittelbar vor dem Klimagipfel 1995 in Berlin darauf hingewiesen, "der unkontrollierte Ausstoß von Treibhausgasen insbesondere von CO2, verstärkt in dramatischer und bedrohlicher Weise den natürlichen Treibhauseffekt unserer Erde". (1)
Das Land Brandenburg nimmt nach den Pro-Kopf-Emissionen an CO2 seiner Bürgerinnen und Bürger wegen der Verbrennung von Braunkohle für die Strom- und Wärmegewinnung einen der traurigen Weltspitzenplätze ein.
- Das international angesehene Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung mußte wegen der sehr wahrscheinlichen Temperaturerhöhungen des regionalen Klimas infolge der Emission von Treibhausgasen, darunter CO2 , "bei Wäldern und natürlichen Ökosystemen ein erhebli-ches Risiko für die Forstwirtschaft und einen Trend zur Steppe" konstatieren. (2)
In wohlverstandener Verantwortung für die Unversehrtheit und das Leben seiner BürgerIn-nen hat sich die Bundesrepublik Deutschland völkerrechtlich verbindlich verpflichtet, bis zum Jahre 2005 die Kohlendioxidemissionen um 25 % im Vergleich zu 1987 zu senken. Berlin und Potsdam sind dem Klimabündnis europäischer Städte beigetreten und wollen diese Emis-sionen bis 2010 um 50 % reduzieren.
Die bisherige Reduktion ist ab